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Kirche in Rieseberg

Kirche in Rieseberg von 1585

Die Kirche im Ort entstand 1585.

Aus der Geschichte der Kirche

Da laut einem alten Protokoll von 1680 – unterzeichnet von dem Superintendenten M. Zacharias Tollenius und dem Herzoglichen Amtmann Julius Ernest Leidenfrost – die Rieseberger Einwohner nicht mehr in die Kirche nach Lauingen gehen wollten, ließen sie 1585 eine eigene Kirche bauen, sodass sie „daselbst die Predigt hören sollten“.

In der Südwand der Kirche befindet sich eine Steinplatte. Die lateinische Inschrift lautet:

VERBUM DOMINI
MANET IN ETERNUM
ANNO 1585
M HANS CHRIST

Zu deutsch:
„Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Im Jahre 1585. Magister Hans Christ.“

Diese Platte ist 1896 in die Kirchhofsmauer eingelassen worden, hat früher aber über dem Eingang zur Kirche gesessen und bezieht sich „ohne Zweifel auf deren Erbauung“.

„Die Kapelle von rechteckiger Gestalt trägt einen quadratischen Dachreiter über dem Westgiebel und ein gotisches Kreuz mit der Jahreszahl 15␣␣ auf dem Ostgiebel. Die Tür im Westen und die Fenster sind im 18. Jahrhundert erneuert worden; das Dachgesims und die Giebeldecksteine zeigen ein aus Karnies und Platte bestehendes Profil.“

Dieses steinerne Kreuz auf dem Ostgiebel ist heute noch vorhanden. Die Zahl darin, die leider schon um 1900 nicht mehr voll zu lesen war, wird das Erbauungsjahr der Kirche 1585 angegeben haben. Die heute auf der Südwand der Kirche befindliche Steinplatte mag bei der Erneuerung und Vergrößerung der Tür im 18. Jahrhundert dort weggenommen und in die Kirchhofsmauer gesetzt worden sein. Pastor Ritmeier hat sie 1910, als die Außenwände der Kirche restauriert wurden, auf eigene Kosten in die Südwand der Kirche einfügen, aufbessern und zugleich mit der alten Sonnenuhr von 1703 vermalen lassen.

Schon Mitte des 18. Jahrhunderts hat man nichts mehr von Ursprung und Begründung der Kirche gewusst. 1752 steht im „Corpus bonorum“: „Deren (der Kirche) Origo und Fundation, auch was es von alten Zeiten her damit für Beschaffenheit gehabt hat, ist unbekannt. Die Gebäude, so in der Kirche selbst und deren Thurm bestehen, sind vor izzo in guten Stande. Die Gemeinde verrichtet bey deren Bau und Besserung die Handreichung und Fuhren. Die Bau Kosten und Materialien aber stellet die Kirche selbst.“

1837 steht in der Kirchenchronik: „Die Riesebergsche Kirche ist im Innern sehr baufällig.“ 1841 ist sie dann inwendig ganz neu ausgebaut. Im April 1843 ist der Turm repariert, der alte Knopf und die Fahne vergoldet und aufgesetzt mit Musik. Im Jahre 1902 schreibt der Gemeindevorsteher Pape: „Im Jahre 1902 in den Monaten April Mai ist der Kirchturm neu verschalt und verschiefert von dem Dachdeckermeister Carl Honrot Königslutter ausgeführt, auch wurde der Knopf und die Fahne neu vergoldet ausgeführt von dem Malermeister H. Fuhrmeister.“

1910 wurden die Außenwände restauriert. 1925 beschließt der Gemeinderat, eine Kirchenuhr mit selbständiger Betglocke anzuschaffen. Am 21.07.1941 wird die eichene Truhe von Rieseberg nach Lauingen transportiert für die Kirchenbücher. Im März 1949 bricht die Spitze des Dachreiters durch Sturm ab. In einer Zeitungsnotiz heißt es:

„Als im August 1949 ein nächtlicher Wind die Wetterfahne herunterholte, entleerte die Messingkugel ihren Inhalt in Form einer Flasche, in der sich eine aufgezeichnete Chronik des Dorfes bis 1772 befand.“

„Am 5. Juni 1951 schlägt der Blitz in den neugedeckten Kirchturm, fährt an der Stahltrosse entlang und in die hölzerne Orgel, die völlig zerschlagen wird.“

Ein großer Schaden war durch die Zerstörung der neuen Schieferbedeckung des Turmes und der Orgel entstanden. Die zerstörte Orgel war 1867 eingebaut worden. Eine neue konnte nicht angeschafft werden, sondern nur ein Harmonium. Bei den nun notwendig gewordenen Dachreparaturen wurden auch der Turmknopf und die Wetterfahne von 1792 erneuert, da sie vom Rost sehr zerfressen waren. In den Turmknopf wurden zu den alten Aufzeichnungen neue hinzugefügt. 1953 wurde ein Schornstein in die Kirche eingebaut, und von nun an konnte durch den Ölofen geheizt werden.

1952 pflanzten die Schulkinder unten neben die Treppe zum Kirchplatz zwei Linden, und 1953 legten sie auf dem Kirchplatz an der Mauer entlang eine Ligusterhecke an und pflegten sie fortan. Da die Einfassungs­mauer um den Kirchplatz sehr zerfallen war, wurde für den 17.06.1954 zu einer Gemeinschafts­arbeit aufgerufen, um die Mauer zu reparieren. Alle Maurer, eine große Anzahl weiterer Männer und die älteren Schulkinder legten Hand an, die Landwirte fuhren das Baumaterial heran. Am Ende der Arbeiten wurde in die Kirchhofsmauer links neben der Treppe eine Flasche mit Urkunde eingemauert und mit der Jahreszahl 1954 gekennzeichnet.

An Glocken waren 1752 vorhanden: „Eine große Glocke und ein kleine, eine Schlaguhr.“ In Kriegszeiten war die Bronze, aus der die Glocken gegossen waren, ein begehrtes Material. Auch in Rieseberg wurde die große Glocke für Heereszwecke am 1. Juli 1917 vom Turm geholt. Sie wog 118 kg, und die Kirchen­gemeinde bekam dafür eine Entschädigung von 531 Mark. Die Glockeninschrift lautete: „Gegossen von J. H. Wicke 1835 Braunschweig.“

1920 wurde eine Glocke aus Granathülsen in Bockenem gegossen und hier aufgehängt. Diese Stahlglocke wurde am 03.09.1963 abgenommen, sie steht heute auf dem Friedhof. An diesem 03.09.1963 wurden nämlich zwei neue Bronzeglocken in feierlichem Umzug ins Dorf geholt, geweiht und in den Turm gezogen. Die große wiegt 270 kg, hat einen Durchmesser von 745 mm, und auf ihr steht der Spruch: „Bittet, so werdet ihr nehmen“ (Joh. 16,24). Die kleine Glocke wiegt 136 kg, hat einen Durchmesser von 603 mm, und auf ihr steht: „Danket dem Herrn“ (Ps. 105,1).

Quelle: aus der „Ortsgeschichte Rieseberg“ von Werner Linsel, 1985, S. 103–110